Zahnschmerzen gehoeren zu den unangenehmsten Schmerzerfahrungen und treten oft unerwartet auf – am Wochenende, in den Ferien oder mitten in der Nacht. In der Schweiz gibt es fuer solche Situationen zahnaerztliche Notfalldienste, die rund um die Uhr oder zumindest am Wochenende erreichbar sind. Dieser Ratgeber erklaert, was Sie bei einem zahnaerztlichen Notfall tun sollten und wo Sie Hilfe finden.
Wann liegt ein zahnaerztlicher Notfall vor?
Nicht jede Beschwerde im Mundbereich erfordert sofortige Hilfe. Ein Notfall liegt vor bei:
- Starken, nicht nachlassenden Zahnschmerzen: Insbesondere wenn sie pulsierend sind und auf Schmerzmittel nicht ausreichend ansprechen
- Gesichtsschwellung: Eine dicke Backe deutet auf einen Abszess hin und erfordert rasche Behandlung
- Ausgeschlagenem Zahn (Avulsion): Jede Minute zaehlt, um den Zahn zu retten
- Abgebrochenem Zahn: Besonders wenn das Zahnmark freiliegt und Schmerzen auftreten
- Starker Blutung nach einem Eingriff: Wenn die Blutung nach einer Zahnentfernung nicht zum Stillstand kommt
- Herausgefallener Fuellung oder Krone: Wenn der freiliegende Zahn schmerzt
- Kieferklemme oder Kieferverrenkung: Wenn sich der Mund nicht mehr oeffnen oder schliessen laesst
Sofortmassnahmen bei Zahnschmerzen
Bis Sie den Zahnarzt erreichen, koennen folgende Massnahmen Linderung verschaffen:
Schmerzmittel
- Ibuprofen (400 mg): Wirkt schmerzlindernd und entzuendungshemmend. Fuer Erwachsene das Mittel der Wahl bei Zahnschmerzen. Maximale Tagesdosis: 1'200 mg.
- Paracetamol (500–1'000 mg): Alternative fuer Personen, die Ibuprofen nicht vertragen. Weniger entzuendungshemmend, aber gut schmerzlindernd.
- Aspirin vermeiden: Acetylsalicylsaeure verduennt das Blut und kann Blutungen verstaerken, besonders problematisch vor einem chirurgischen Eingriff.
Kuehlen
Legen Sie bei Schwellungen von aussen einen Kuehlbeutel an die Wange (in ein Tuch einwickeln, nicht direkt auf die Haut). 20 Minuten kuehlen, 20 Minuten Pause. Kuehlen reduziert die Schwellung und lindert den Schmerz.
Oberkörper hochlagern
Lagern Sie den Oberkoerper hoch, insbesondere nachts. Das reduziert den Blutdruck im Kopfbereich und kann den Schmerz lindern.
Was Sie NICHT tun sollten
- Keine Waerme anwenden (kein heisses Tuch, kein Heizkissen) – Waerme verstaerkt Entzuendungen
- Keine Aspirin direkt auf den Zahn oder das Zahnfleisch legen – das verursacht Veraeaetzungen
- Nicht auf der schmerzenden Seite kauen
- Keinen Alkohol als Betaeubungsmittel verwenden
Zahnaerztlicher Notfalldienst in der Schweiz
In der Schweiz ist der zahnaerztliche Notfalldienst kantonal organisiert. So finden Sie Hilfe:
Telefonnummer des Notfalldienstes
- Kantonale Zahnarztegesellschaft: Jeder Kanton hat eine Notfallnummer, die Sie ueber die kantonale Zahnarztegesellschaft oder die SSO-Website finden.
- Hausarzt: Kann in akuten Faellen Schmerzmittel oder Antibiotika verschreiben.
- Notaufnahme des Spitals: Bei schweren Gesichtsverletzungen, unkontrollierbarer Blutung oder Atemnot.
- Telefonische Gesundheitsberatung: Die Nummer 143 (Die Dargebotene Hand) oder 1811 (Medgate) bieten Beratung.
Kantonale Organisation
Die meisten Kantone organisieren einen rotierenden Pikettzahnarzt-Dienst fuer Wochenenden und Feiertage. In grossen Staedten gibt es zudem Notfallzahnkliniken, die auch abends und am Wochenende geoeffnet sind. In Zuerich beispielsweise bietet das Zahnmedizinische Zentrum der Universitaet einen Notfalldienst an.
Haeufige zahnaerztliche Notfaelle
Akute Zahnschmerzen durch Karies
Tiefe Karies kann den Zahnnerv reizen und starke, pochende Schmerzen verursachen, die sich bei Waerme verstaerken. Sofortmassnahme: Kuehlen und Ibuprofen einnehmen. Der Zahnarzt wird die Karies entfernen und gegebenenfalls eine Wurzelbehandlung einleiten.
Zahnabszess (dicke Backe)
Ein Abszess ist eine Eiteransammlung, die durch eine bakterielle Infektion entsteht. Symptome sind starke Schwellung, Schmerzen, Roetung und manchmal Fieber. Ein Abszess muss unbedingt behandelt werden, da sich die Infektion ausbreiten kann. Der Zahnarzt wird den Abszess eroeffnen, um den Eiter abfliessen zu lassen, und gegebenenfalls ein Antibiotikum verschreiben.
Herausgefallene Fuellung oder Krone
Wenn eine Fuellung oder Krone herausfaellt, liegt der darunterliegende Zahn frei und kann empfindlich reagieren. Bewahren Sie die Krone auf und versuchen Sie, sie provisorisch mit Zahnzement aus der Apotheke wieder aufzusetzen. Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin beim Zahnarzt.
Abgebrochener Zahn
Bewahren Sie das abgebrochene Stueck auf (in Milch oder Speichel). Wenn der Bruch den Zahnnerv freigelegt hat (Blutung aus dem Zahn, starke Schmerzen), suchen Sie sofort den Notfalldienst auf.
Ausgeschlagener Zahn
Bei einem komplett ausgeschlagenen bleibenden Zahn ist schnelles Handeln entscheidend:
- Den Zahn an der Krone (nicht an der Wurzel) anfassen
- Nicht reinigen oder abwischen
- Wenn moeglich, den Zahn sofort zurueck in das Zahnfach druecken und zubeissen
- Alternativ: den Zahn in Zahnrettungsbox (Dentosafe), kalter Milch oder im Mund (in der Wangentasche) aufbewahren
- Innerhalb von 30 Minuten den Zahnarzt aufsuchen
Je schneller der Zahn reimplantiert wird, desto hoeher die Ueberlebenschance. Bei Kindern gilt das nur fuer bleibende Zaehne – Milchzaehne werden nicht reimplantiert.
Kosten der Notfallbehandlung
Notfallbehandlungen werden in der Schweiz mit einem Zuschlag verrechnet, der je nach Tageszeit und Wochentag variiert:
| Zeitraum | Zuschlag |
|---|---|
| Regulaere Sprechstunden | Kein Zuschlag |
| Abends (ab 19 oder 20 Uhr) | ca. 25–50% |
| Samstag | ca. 25–50% |
| Sonntag und Feiertage | ca. 50–100% |
| Nacht (ab 22 Uhr) | ca. 100% |
Die Kosten einer einfachen Notfallkonsultation mit Schmerzbehandlung liegen bei CHF 200 bis CHF 500. Bei aufwaendigeren Massnahmen koennen sie entsprechend hoeher ausfallen.