Zahnarztangst ist weiter verbreitet, als viele denken. Schaetzungen zufolge haben rund 60 bis 80 Prozent der Bevoelkerung ein gewisses Unbehagen vor dem Zahnarztbesuch, und etwa 10 bis 15 Prozent leiden unter einer ausgepraeugten Zahnarztangst (Dentalphobie), die sie davon abhaelt, regelmaessig zum Zahnarzt zu gehen. In der Schweiz betrifft das Hunderttausende von Menschen – mit gravierenden Folgen fuer die Zahngesundheit.
Ursachen der Zahnarztangst
Zahnarztangst kann vielfaeltige Ursachen haben, die sich oft gegenseitig verstaerken:
Negative Erfahrungen
Die haeufigste Ursache sind schmerzhafte oder unangenehme Erlebnisse beim Zahnarzt, insbesondere in der Kindheit. Wer als Kind ohne ausreichende Betaeubung behandelt wurde oder sich hilflos und nicht ernst genommen fuehlte, kann eine tiefgreifende Angst entwickeln, die bis ins Erwachsenenalter andauert.
Kontrollverlust
Auf dem Behandlungsstuhl liegt man mit offenem Mund in einer verletzlichen Position. Fuer Menschen, denen Kontrolle wichtig ist, kann dieses Gefuehl der Auslieferung extrem belastend sein.
Scham
Wer lange nicht beim Zahnarzt war, schaemt sich oft fuer den Zustand seiner Zaehne. Die Angst vor Kritik oder Vorwuerfen verstaerkt die Hemmschwelle, einen Termin zu vereinbaren – ein Teufelskreis, der den Zustand weiter verschlechtert.
Angst vor Schmerzen
Die Angst vor Schmerzen ist eine der grundlegendsten Formen der Zahnarztangst, auch wenn moderne Betaeubungsmethoden Behandlungen weitgehend schmerzfrei machen. Allein das Geraeusch des Bohrers oder der Anblick der Instrumente kann Angstreaktionen ausloesen.
Erlernte Angst
Kinder koennen Zahnarztangst von aengstlichen Eltern uebernehmen. Negative Erzaehlungen ueber Zahnarztbesuche im Familien- und Freundeskreis koennen die Angst verstaerken.
Folgen unbehandelter Zahnarztangst
Die Folgen sind gravierend: Wer den Zahnarzt meidet, riskiert fortschreitende Karies, Zahnfleischerkrankungen, Zahnverlust und chronische Schmerzen. Die daraus resultierenden Probleme erfordern irgendwann komplexere und laengere Behandlungen – was die Angst weiter verstaerkt. Neben den koerperlichen Folgen leiden viele Betroffene unter Scham, sozialem Rueckzug und verminderter Lebensqualitaet.
Methoden zur Bewaeltigung
Wahl des richtigen Zahnarztes
Der wichtigste Schritt ist die Wahl einer Zahnmedizinerin oder eines Zahnmediziners, die oder der Erfahrung im Umgang mit Angstpatienten hat. In der Schweiz gibt es Praxen, die sich explizit auf Angstpatienten spezialisiert haben. Merkmale einer angstfreundlichen Praxis:
- Ausfuehrliches Erstgespraech ohne Behandlungsdruck
- Geduldige, verstaendnisvolle Kommunikation
- Moeglichkeit, jederzeit die Behandlung zu unterbrechen (Stopp-Signal)
- Erklaerung jedes Behandlungsschrittes vor der Durchfuehrung
- Ruhige, angenehme Praxisatmosphaere
Stufenweises Vorgehen (Desensibilisierung)
Ein bewaehrter Ansatz ist das schrittweise Heranfuehren an die Behandlung:
- Erstgespraech: Nur Gespraech, keine Behandlung. Kennenlernen der Praxis und des Teams.
- Untersuchung: Einfache Kontrolluntersuchung ohne Eingriff.
- Kleine Massnahme: Zahnreinigung oder eine kleine Fuellung.
- Aufbau von Vertrauen: Schrittweise Steigerung der Behandlungskomplexitaet.
Sedation (Daemmerschlaf)
Fuer Patienten mit schwerer Angst bieten viele Praxen und Kliniken in der Schweiz die Moeglichkeit der Sedation. Dabei wird ueber eine Infusion ein Beruhigungsmittel verabreicht, das den Patienten in einen entspannten Daemmerzustand versetzt. Der Patient bleibt ansprechbar, empfindet aber kaum Angst und erinnert sich oft wenig an die Behandlung. Die Kosten fuer eine Sedation liegen bei CHF 300 bis CHF 800 pro Sitzung.
Vollnarkose
In Faellen extremer Angst oder bei umfangreichen Behandlungen kann eine Vollnarkose sinnvoll sein. Die Behandlung wird dann in einem Operationssaal oder in einer darauf spezialisierten Praxis durchgefuehrt. Die Kosten fuer eine Vollnarkose betragen CHF 500 bis CHF 1'500 zusaetzlich und werden in der Regel nicht von der Grundversicherung gedeckt.
Lachgas-Sedation
Lachgas (Distickstoffmonoxid) wird ueber eine Nasenmaske eingeatmet und wirkt angstloesend und leicht schmerzlindernd. Der Patient bleibt bei vollem Bewusstsein, ist aber deutlich entspannter. Die Wirkung klingt innerhalb weniger Minuten nach dem Ende der Gabe ab. Lachgas eignet sich besonders fuer leichte bis mittlere Angst und wird in der Schweiz in immer mehr Praxen angeboten.
Psychologische Methoden
- Kognitive Verhaltenstherapie: Die wirksamste psychologische Behandlung fuer Zahnarztangst. In wenigen Sitzungen lernen Betroffene, ihre Angstgedanken zu erkennen und zu veraendern.
- Hypnose: Hypnotherapie kann bei manchen Patienten die Angst vor und waehrend der Behandlung deutlich reduzieren.
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, Atemuebungen und Achtsamkeitsmeditation koennen vor und waehrend des Zahnarztbesuchs helfen.
Praktische Tipps fuer den naechsten Termin
- Teilen Sie Ihre Angst offen mit – ein guter Zahnarzt wird es verstehen
- Vereinbaren Sie einen fruehen Termin, damit Sie weniger Zeit zum Gruebaeln haben
- Nehmen Sie eine Vertrauensperson mit
- Hoeren Sie waehrend der Behandlung Musik ueber Kopfhoerer
- Vereinbaren Sie ein Stopp-Signal (z. B. Hand heben)
- Belohnen Sie sich nach dem Termin
- Beginnen Sie mit kleinen Schritten – jeder Fortschritt zaehlt
Zahnarztangst bei Kindern vorbeugen
Die beste Strategie gegen Zahnarztangst ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Fuehren Sie Ihr Kind frueh (ab dem ersten Geburtstag) spielerisch an den Zahnarzt heran. Vermeiden Sie negative Kommentare ueber den Zahnarzt im Beisein des Kindes, und waehlen Sie eine Praxis, die auf Kinder spezialisiert ist.