Zahnunfall: Erste Hilfe und Massnahmen

Erste Hilfe bei Zahnunfaellen: Was tun bei ausgeschlagenem, abgebrochenem oder gelockertem Zahn?

Zahnunfaelle gehoeren zu den haeufigsten Verletzungen im Kindes- und Jugendalter, koennen aber in jedem Lebensalter auftreten. Ob beim Sport, auf dem Spielplatz, im Strassenverkehr oder bei einem Sturz – ein Zahnunfall erfordert schnelles und richtiges Handeln. Die ersten Minuten nach dem Unfall entscheiden oft darueber, ob ein Zahn gerettet werden kann oder verloren geht.

Arten von Zahnunfaellen

Ausgeschlagener Zahn (Avulsion)

Der Zahn wird vollstaendig aus dem Zahnfach herausgeschlagen. Dies ist die dramatischste Zahnverletzung, hat aber bei schnellem Handeln eine gute Prognose.

Abgebrochener Zahn (Zahnfraktur)

Ein Teil der Zahnkrone bricht ab. Je nachdem, ob nur der Zahnschmelz, das Dentin oder auch der Zahnnerv betroffen ist, variiert die Dringlichkeit.

Gelockerter Zahn (Subluxation/Luxation)

Der Zahn ist gelockert, verschoben oder in den Kiefer hineingedrueckt (intrudiert). Er sitzt noch im Zahnfach, aber seine Aufhaengung ist beschaedigt.

Zahnwurzelbruch

Die Zahnwurzel bricht im Knochen, waehrend die Krone intakt erscheinen kann. Nur auf dem Roentgenbild sichtbar.

Erste Hilfe: Schritt fuer Schritt

Bei ausgeschlagenem Zahn

Dies ist der zeitkritischste Notfall. Jede Minute zaehlt:

  1. Zahn suchen: Finden Sie den ausgeschlagenen Zahn.
  2. Nur an der Krone anfassen: Niemals die Wurzel beruehren, da die empfindlichen Wurzelzellen beschaedigt werden.
  3. Nicht reinigen oder trocknen: Den Zahn nicht abwischen, abbuersten oder desinfizieren.
  4. Zurueckstecken (wenn moeglich): Setzen Sie den Zahn vorsichtig zurueck in das Zahnfach und beissen Sie sanft auf ein Taschentuch, um ihn zu fixieren. Das ist die beste Sofortmassnahme.
  5. Alternativ feucht aufbewahren: Wenn das Zurueckstecken nicht moeglich ist, bewahren Sie den Zahn auf in:
    • Zahnrettungsbox (Dentosafe): Das beste Medium. Sollte in jeder Schule, jedem Sportverein und jeder Hausapotheke vorhanden sein. Der Zahn kann darin bis zu 48 Stunden ueberleben.
    • Kalte H-Milch: Bis zu zwei Stunden geeignet
    • Speichel: In der Wangentasche oder einem sauberen Gefaess – nur fuer kurze Zeit
    • Kochsalzloesung: Aus der Apotheke, bis zu 30 Minuten
  6. Sofort zum Zahnarzt: Innerhalb von 30 Minuten ist die Reimplantationschance am hoechsten. Auch nach laengerer Zeit lohnt sich der Versuch.

Wichtig: Milchzaehne werden nicht reimplantiert, da die darunterliegenden Zahnkeime beschaedigt werden koennten.

Bei abgebrochenem Zahn

  1. Bruchstueck aufbewahren: In Wasser oder Milch aufbewahren. In vielen Faellen kann der Zahnarzt das Fragment wieder ankleben.
  2. Schmerzen beurteilen: Wenn der Bruch den Zahnnerv freigelegt hat (rosa oder rote Stelle am Bruchrand, starke Schmerzen), handelt es sich um einen dringenden Notfall.
  3. Zeitnah zum Zahnarzt: Innerhalb weniger Stunden, bei Nervenbeteiligung sofort.

Bei gelockertem oder verschobenem Zahn

  1. Nicht am Zahn wackeln: Vermeiden Sie es, den Zahn hin und her zu bewegen.
  2. Vorsichtig zubeissen: Einen leichten Biss auf ein Taschentuch, um den Zahn zu stabilisieren.
  3. Zeitnah zum Zahnarzt: Innerhalb weniger Stunden.

Behandlung beim Zahnarzt

Reimplantation

Bei ausgeschlagenen Zaehnen setzt der Zahnarzt den Zahn zurueck in das Zahnfach und schient ihn fuer einige Wochen an den Nachbarzaehnen. In den meisten Faellen wird eine Wurzelbehandlung noetig, da der Zahnnerv die Verletzung selten ueberlebt.

Ankleben des Fragments

Bei Zahnfrakturen kann der Zahnarzt das abgebrochene Stueck mit Spezialkleber (Bonding) wieder befestigen. Ist das Fragment nicht verfuegbar, wird der Zahn mit Komposit restauriert.

Schienung

Gelockerte oder verschobene Zaehne werden in der korrekten Position geschient. Eine duenne Draht-Schiene wird fuer zwei bis vier Wochen an den Nachbarzaehnen befestigt, bis der Zahn wieder stabil ist.

Langzeitnachsorge

Nach einem Zahnunfall sind regelmaessige Kontrollen ueber mehrere Jahre erforderlich, da Spaetfolgen (Wurzelresorption, Verfaerbung, Absterben des Zahnnervs) erst nach Monaten oder Jahren auftreten koennen.

Zahnunfall-Praevention

Sport

  • Tragen Sie einen Mundschutz bei Kontaktsportarten (Eishockey, Boxen, Kampfsport, Rugby)
  • Auch bei Risikosportarten wie Mountainbiken, Skateboarden oder Inlineskaten ist ein Mundschutz empfehlenswert
  • Individuelle Mundschutzschienen vom Zahnarzt bieten den besten Schutz

Kinder

  • Vorsicht auf dem Spielplatz und beim Treppensteigen
  • Zahnrettungsbox in Schule und Kindergarten deponieren
  • Kinder ueber richtiges Verhalten bei Zahnunfall informieren

Versicherung und Kosten

Unfallversicherung

Zahnunfaelle durch aeussere Einwirkung sind in der Regel durch die Unfallversicherung (UVG) gedeckt:

  • Bei Erwerbstaetigen: Berufsunfall- und Nichtberufsunfallversicherung des Arbeitgebers
  • Bei Nichterwerbstaetigen (Kinder, Rentner): Krankenkassen-Grundversicherung (UVG-Leistungen)

Was gilt als Unfall?

Ein Unfall liegt vor, wenn eine aeussere, ploetzliche Einwirkung den Zahnschaden verursacht: Sturz, Stoss, Schlag, Sportunfall. Nicht als Unfall gelten: Beissen auf harte Gegenstaende (Kirschstein, Knochen), Karies oder altersbedingter Zahnbruch.

Meldung

Melden Sie den Zahnunfall umgehend bei Ihrer Unfallversicherung oder Krankenkasse. Dokumentieren Sie den Hergang und bewahren Sie alle Zahnarztbelege auf.

Zahnrettungsbox: Lebensversicherung fuer Zaehne

Die Zahnrettungsbox (bekanntester Anbieter: Dentosafe) enthaelt ein spezielles Zellnaehrmedium, das die empfindlichen Wurzelzellen eines ausgeschlagenen Zahnes ueber Stunden am Leben haelt. Die Box kostet in der Apotheke rund CHF 20 bis CHF 30 und hat eine Haltbarkeit von mehreren Jahren.

Jede Familie mit Kindern, jeder Sportverein, jede Schule und jede Zahnarztpraxis sollte eine Zahnrettungsbox griffbereit haben. Die Investition von wenigen Franken kann darueber entscheiden, ob ein Zahn gerettet werden kann oder fuer immer verloren ist.